Der Erzähler

Eine Geschichte ist ein Haus, pflegt er auf die Frage nach dem Wahrheitsgehalt seiner Erzählungen zu antworten. Hoch oben im Dachstock logiert das verzehrende, metaphysische Sehnen und zuunterst im feuchtdunklen Keller verstecken sich verwilderte Erinnerungen und wunderbar schmutzige Träume. Im Parterre wohnen das Absehbare, das Plagiat und die Ambition, im Hochparterre die präzise Beobachtung, das saubere Handwerk, der gute Stil und der elegant geschwungene Spannungsbogen, in der Belle Etage das betörend Unerhörte, das Traumtänzerische und die unermessliche Leidenschaft. Die Wahrheit aber wohnt an einer unbekannten Adresse. Darum beantwortet der Erzähler die Frage, ob er selber im Erzählten wohne, gerne wahrheitsgemäss mit ja und nein. 

 

Der Umgepulste

Der Aufprall war ungebremst und heftig. Ohne einen Gedanken kletterte er durch das zersplitterte Seitenfenster. Ein warmer Tropfen rann in Zeitlupe über seine Wange. Schweiss oder Träne? Er tat, was zu tun war. Beruhigte den Familienvater, der vor ihm so brüsk gebremst hatte. Sprach mit der Polizei. Bestellte den Abschleppdienst. Dann sass er am linken Rand der Autobahn, den Blick ins Nichts. Er spürte seinen Puls in den Schläfen. Ein Regen schüttete alles weg. Und dann plötzlich diese Leichtigkeit, als ob ihm das Blut in umgekehrter Richtung durch die Adern fliessen würde. Die wirklich wichtigen Dinge sind ihm bis heute nicht mehr wirklich wichtig. Und noch immer ist dieses Leichte in ihm, dieses sanfte Pulsieren in den Schläfen und diese Lust, sich im Unvorhersehbaren treiben zu lassen, die Füsse voran und den Blick ins Blaue.

 

Die Lebensmüde

Eine findet sich mitten in der Nacht in einem Raum ohne Fenster und Türen. Knapp unterhalb der Zimmerdecke flimmert wie in einem umgedrehten Schwimmbecken der Wasserspiegel. Langsam, stetig und unaufhaltsam senkt sich der Spiegel des Wassers von der Decke zum Boden. In kurzer Zeit wird der Raum ohne Fenster und Türen ganz unter Wasser stehen. Ein paar Nächte später findet sie einer mit Atemstillstand im Bett. Bis zum Eintreffen der Ambulanz beatmet er sie notdürftig. Als sie sich dann nach ein paar Tagen begegnen, beschimpft sie ihn verbittert. Sie habe sich in der Szene massiv verschuldet, um genügend guten Stoff für einen goldenen Schuss zu bekommen. Und nun müsse sie diese Schulden wider Erwarten weiss Gott wie begleichen, weil ein Idiot sie nicht in Ruhe habe sterben lassen.

 

Der Flaneur

Der Begeher und der Beseher kennen sich gut. Sie sind sogar eng verwandt. Sie sind nämlich Zwillinge, siamesische Zwillinge. Womöglich sind sie sogar ein und dieselbe Person. Diese Person hat sich in jungen Jahren autodidaktisch die Kunst des Flanierens angeeignet. Der ideale Ort für solche Lehrgänge ist Paris. Statt wie geplant die Sommerkurse an der école de langue zu absolvieren, spaziert er tage- und nächtelang stadtplanlos durch das urbane Labyrinth. Im grossen Unterschied zum stationären Beobachten - beispielsweise aus der durchaus verlockenden Perspektive eines Strassencafés - vereinigt sich beim gelassenen Schreiten und Schauen die von aussen herangetragene Vielfalt an Sinneseindrücken laufend mit der körpereignen Polyrhythmik von Schritt, Atem und Puls. Dieses Zusammenströmen führt zu jenem schwebenden Zustand, bei dem man mit der Welt und die Welt mit einem eins wird

 

Die Babuschka

Suchinitschi. Letzte Station vor der Grenze. Nachtzug von Moskau nach Kiew. Halb noch im Schlaf, halb schon nicht. Hinter dem spiegelnden Fenster ein riesiges Hundchen aus Plüsch. Kätzchen und Kater ganz grell daneben in Rot und in Blau. Schillernd in Weiss dort die Maus. Mitten im Zoo das Gesicht der Babuschka, die alle trägt. Im Grossen Vaterländischen Krieg war Suchinitschi heftig umkämpft, denn hier verknoten sich die Eisenbahnlinien von Smolensk nach Tula und von Moskaus nach Kiew. Der Bahnsteig ist bis heute grau in grau. Aber er verwandelt sich, sobald einer der Züge hält, in einen surrealen Zoo voller Stofftiere in den schrillsten Farben. Halb Lächeln halb Not im Gesicht stehen Babuschki in Reihe der Länge des Zuges entlang, halten die Kreaturen in die Zugfenster und verkaufen sie für nichts. Nachtzug von Moskau nach Kiew. Halb schon im Schlaf, halb noch nicht. Nächster Halt jenseits der Grenze.

 

Der Menschenleerer

Um schon früh zum Auskommen der Familie beizutragen, hat einer als Kind Berge, Bauern und Blumen für Touristen gemalt. In seinen letzten Schaffensjahren hat er nur noch für sich selber gemalt und ausschliesslich das immer gleiche Gebirge portraitiert. Und seine sterbende Geliebte. In der Luft, über den von ihm immer am frühen Morgen gemalten Bergen, leuchtet die Dämmerung. Das Gebirge und die vorgelagerten Hügel liegen noch im Schatten. Und im See spiegelt sich das Leuchten des Lichts in der Luft über dem einen Berg. Jedes dieser Bilder ist menschenleer. Jedes dieser Bilder zeigt eine Welt ohne Menschen und ohne jeden Hinweis auf Menschen. Jedes dieser Bilder zeigt eine Zeit lange vor oder lange nach der Menschheit. Und jedes dieser von einem Menschen gemalten Bilder zeigt die übermenschliche Schönheit einer Welt ohne Menschen.

 

Die Fernverwandte

Jede Sekunde war kostbar. Wir machten darum als Kinder vorgängig eine Liste mit all dem, was wir der Watete in den drei Telefonminuten, die jedes hatte, berichten wollten. Einmal jährlich durften wir mit unserer entfernten Verwandten im Rhodesien telefonieren. Sie war als junge Frau dorthin gereist, um den Menschen zu helfen. Diese nannten sie Watete. Eine Watete ist das weibliche Oberhaupt einer schwarzen Grossfamilie. Alle paar Jahre, wenn sie Heimaturlaub bekam, besuchte sie uns und brachte die wunderbarsten Geschichten mit. Aus Rhodesien wurde Simbabwe und Mugabe ersetzte Smith. Alle hofften auf Besserung. Zuerst wurde es schlimm für die Weissen. Dann für alle. Unsere Watete wurde alt. Dann krank. Im Spital bekam sie als Weisse keine Behandlung. Die Familie, um die sie sich ihr Leben lang gekümmert hatte, kümmerte sich nun so gut es ging um sie. Eines Nachts kam ein ausgehungerter Einbrecher und schlug unsere Watete tot.

 

Die Glücksbringerin

Schwester Stella ist die einzige. Und nur sie allein weiss jedem bei allen körperlichen und seelischen Gebresten Abhilfe oder zumindest Linderung zu verschaffen. Sonst verkehrt in all diesen Zellen, Gängen und Sälen ausschliesslich männliches Personal: die Patres und die ihnen anvertrauten Zöglinge. Die zweite Klasse des Progymnasiums verbringt dieses Jahr einen Sommermonat zur Vertiefung und Anwendung ihrer Fremdprachkenntnisse in Paris. Ihre Pension befindet sich direkt neben einem Kulturkino mit durchlässiger Schallisolation. Abend für Abend begleitet Violetta die Jünglinge mit ihren herzzerreissenden Arien in den Schlaf. Nur einer ist allzu spät noch unterwegs, findet sich irgendwie irgendwo in einer verlorenen Gasse unterhalb der Sacré-Cœur, wo ihm endlich eine die Zunge in den Mund steckt und mit beglückender Hand in den Schritt fasst.

 

Der Datschnik

Viktor hat zwei Töchter und zwei Datschas. Die eine ist - wie man auf Russisch sagt - normalnaja. Ich meine die eine Datscha. Die andere ist wild. Nun meine ich die zweite Datscha und auch ein wenig die zweite Tochter. Die zweite Tochter ist meine Frau. Die zweite Datscha liegt in Schpakow. Schpakow war bis vor 20 Jahren eine blühende Kolchose, Weizen von Horizont zu Horizont. Heute verwildertes Land, blühende Natur von Horizont zu Horizont. Und mitten drin die wilde Datscha von Viktor. Wodka gibt es in Schpakow aus grossen Tassen und zum Wodka Hering, Zwiebeln und Salzgurken, Sala, Schaschlik und Poeme, Toasts und Anekdoten. Und dann, entfernt von allem, die Nächte schwarz und still und ausgesternt wie nie. Doch bald, schon mit dem ersten Hauch von Licht am Horizont, erwacht das grosse Zwitschern und Zirpen. Das wiegen der Birken im Wind beginnt und das Fallen der wilden Kirschen. Oben ziehen Störche frühe Schlaufen und unten öffnet sich eine Unzahl Blumen den schwirrenden Bienen wie zum ersten Mal.

 

Der Sprachmaler

Er malt immer nachts. Die wirklichen Farben seiner Bilder, sieht er erst im Morgenlicht. Danach geht er in die Laudes. Er ist schön und streng. Letzteres ist in den Gesichtern der Zöglinge zu erkennen. Ersteres in den Gesichtern der Mütter, die ihre Söhne am Sonntag besuchen. Bei der Aufführung der Passion verwandelt sich seine Stimme in jene von Jesus. Er unterrichtet Deutsch als Sprache und Sprache als Kunst. Jeder Schüler hat ein Skizzenheft. Statt sie im Schulzimmer sitzen zu lassen, entlässt er sie nach draussen. Was immer sie dort wahrnehmen, sollen sie in Sprache übersetzt ins Heft skizzieren. Am 14. Oktober 1975 malt er einem selber eine Skizze ins Heft: Nun haben die Bäume ihr Gischtfest, sprühen Schnee von gelber Blattlast. Ich spüre das Nass im Gewand. Vorwinterlich reinigt es Augen zu blauen Sonnenzeichen.

 

Die Strafküsserin

Sie arbeitet als weitherum anerkannte Liebeskünstlerin mit eigenem Studio, zentral gelegen, an der Wand ein Schiele. Im Dauerstreit mit ihrem Gianni spendet einer ihr öfters gut und gerne Trost. So auch an jenem Abend, als sie zusammen durch die Stadt flanieren. Sie lotst ihn – wie sich im Nachhinein herausstellt – zielstrebig vor Gianni’s Stammlokal. Perfekt in Szene gesetzt, stehen sie direkt vor dem grossen Fenster, vom Licht der Strassenlaternen gut beleuchtet und präzis im Blickfeld von Gianni und – weit wichtiger – unter Beobachtung von all seinen Amici. Dort umfasst sie mit allergrösster Selbstverständlichkeit seinen Kopf mit ihren Händen, schmiegt langsam Wange an Wange, reibt ihre Nase ganz fein an seiner, zeichnet mit der feuchten Spitze ihrer Zunge zärtlich die Linie seiner Lippen nach und presst ihren Mund dann fest an seinen.

 

Der Lebensbewerter

Jedes menschliche Leben ist gleich viel wert. Dieser Satz, meint einer, ist schön und gut - aber nicht wahr. Er ist nützlich, weil er als Denkgrenze das Zusammenleben von Menschen kittet. Und er funktioniert, weil der Entscheid, welches von zwei Leben mehr Wert hat, unter menschenfreundlichen Umständen nicht allzu oft getroffen werden muss. Dieser Satz ist schön und gut - aber falsch. Das Leben seiner Tochter, die in der Zeitung erst die Bilder lesen kann, ist, meint einer, unendlich viel mehr wert, als das Leben jenes Mannes, über den die Zeitung schreibt, er habe am 22. Juli 2011 auf der idyllischen Insel Utøya 69 junge Menschen getötet und sei bis heute stolz darauf. Jedes dieser 69 Leben ist unendlich viel mehr wert, als das Leben dieses Mannes. Und dass er noch lebt, ist eine schreiende Ungerechtigkeit!

 

Der Reissnagel

Auf einem Stuhl liegt ein Reissnagel. Kommt ein Russe, setzt sich drauf, springt sogleich wieder auf, reisst sich den Nagel aus dem Hintern und schmeisst ihn furchtbar fluchend in eine Ecke. Kommt ein Ukrainer, setzt sich ruhig hin, steht verwundert wieder auf, zieht den Reissnagel sorgfältig aus seinem Hintern, steckt ihn sich akkurat in die Brusttasche und meint, den kann ich sicher irgendwann irgendwie brauchen. Kommt ein Weissrusse, setzt sich schwerfällig, spürt den Reissnagel, denkt, das muss wohl so sein, und bleibt schicksalsergeben sitzen. Kommt ein Schweizer, setzt sich normal auf den Stuhl, steht kaum bemerkbar irritiert wieder auf, schaut diskret nach links und rechts, sitzt dann auf einen anderen Stuhl und denkt, hoffentlich hät das niemert gseh.

 

Die Fahrenden

Früh am Morgen fahren viele auf klapprigen Velos durch die Plattenbausiedlungen von Miskolc und durchwühlen die Abfallcontainer auf der Suche nach Verwertbarem. Am Nachmittag kehren sie mit den Fundstücken zurück in ihre erbärmlichen Siedlungen. Unterwegs machen drei von ihnen in einem Gasthaus halt. Kurz darauf parkiert neben den klapprigen Velos ein Jaguar in klassischem British Racing Green. Die Eigentümerin stammt ursprünglich aus Miskolc. Ihr Begleiter aus Lanzenneunforn. Weil die beiden glücklich sind, spendieren sie im Gasthaus eine Runde Vilmos Körte. Der Wirt schenkt allen ein - ausser den drei Roma. Erst nachdem die Spendenden sehr deutlich machen, dass mit alle alle gemeint sind, bekommen auch die drei ihr Gläschen. Einer steht auf, erhebt sein Glas und ruft: Ist es ejne sehrrr schejne Geste von Ihnen. Egészségére! Leert das Glas, lacht und in seinem Lachen glänzen drei goldene Zähne.

 

Der Narr

Manchmal überschneiden sich die Leben der beiden Menschen, die am allerweitesten auseinander sind. So wie sich das Leben von Mandelstam auf furchtbarste Weise mit jenem von Stalin überschnitt, überschnitt sich das Leben des seligen Wassilij - oder vielmehr sein Tod - auf wunderbare Weise mit jenem von Iwan dem Schrecklichen. Als Zeichen seines Triumphs über die Tataren lässt sich dieser am Roten Platz die prächtigste Kathedrale errichten. Zu der Zeit stirbt Wassilij, der erbärmlichste Narr in Christo. Weil die Menschen ihn lieben, begraben sie ihn neben der neuen Kathedrale. Und weil immer mehr Pilger statt zu Iwans Prunkbau zu Wassilijs Grab ziehen, wird das Zeichen der Macht schliesslich von der Ohnmacht vereinnahmt. Heute singen in der Kirche mit der Narrenkappe drei Mönche mit einer Stimme. Durch sie klingt Gott. Und beim Hinausgehen offeriert uns ein geschminkter Mönch die CD in DDD zum halben Preis. Wassilij, Narr in Christo, bitt für uns!

 

Die Neugeborene

Der Mutter auf Empfehlung der Gynäkologin und trotz dem Abraten der Hebamme per Kaiserschnitt entnommen wird die Neugeborene sogleich auf Vaters haarig warmen Bauch gelegt. Die Nabelschnur bis auf einen winzigen Rest abgetrennt. Die Haut greisenhaft runzlig, bläulich gerötet und weisslich verschmiert. Von der Hebamme ausdrücklich dazu aufgefordert redet der Vater ununterbrochen auf die Neugeborene ein. Berichtet mit ruhiger, nur hin und wieder ein klein wenig zittriger Stimme von all den Liebenswürdigkeiten dieser Welt. Ihr tierartig fremdes Körperchen schiebt sich währenddessen mit ganz langsamen, klitzekleinen, nur manchmal kurz unterbrochenen Bewegungen Bauch an Bauch an ihm hinauf. Und dann saugt ihr rosiges Mündchen seine linke, haarig umwachsene Brustwarze mit erstaunlicher Kraft in sich hinein.

 

D Chliikriminalischtin

Wer liit tot uf de Schtross? S Schtärbsli. A was isch es gschtorbe? Amene Chugelhopf. Wer hät s ermordert? S Mordonblö. Mit wellere Waffe? Mit emene Schussgipfel. Wo isch s passiert? Am Mordpol. Wer hät überläbt? De Läbchueche. Wer isch gflüchtet? De Fluchsalat. Und mit wem? Mit em Wanderinli. Wer hät das alls beobachtet? De Schpionat. Wer hät wieder mol gar nüt geseh? De Polizeilachmaischter. Und wer hät für alli bätet? S Frommbeeri. So tönt de kulinarische Lieblingskrimi, wo mini Chliikriminalischtin zämä mit irne Komplizine erfunde hät und Tag für Tag witerspinnt.

 

Der Schutzbrillenträger

Sein rechtes Auge hat enormen Weitblick, während sein linkes extrem fokussiert. Wenn sein rechtes Auge nachts in den in den Himmel schaut, sieht er nicht den Sternenhimmel. Er sieht, dass das Universum aus Milliarden von Galaxien besteht und dass laufend ganze Galaxien entstehen und vergehen. Und er sieht ein, dass es völlig belanglos ist, ob unsere Erde weiter dreht oder vergeht. Wenn hingegen das linke Auge zuschaut, wie seine einzige über alles geliebte Tochter Velofahren lernt, dann beunruhigt ihn jedes noch so kleine Hindernis und jedes sich nähernde Fahrzeug ist Grund grösster Sorge. Und er sieht ein, dass in diesem Universum nichts aber auch wirklich gar nichts wichtiger ist, als die Unversehrtheit dieses einen Kindes. Weil die Gleichzeitigkeit dieser beiden exklusiven Betrachtungsweisen das Bestehen im realen Leben verunmöglicht, hat er sich eine Schutzbrille aufgesetzt. Er ist nun vorwiegend auf sein näheres Umfeld fokussiert und verzichtet soweit möglich auf Weitblick.

 

Der Tote

Die beste Sicht hat man an klaren Tagen wie heute, aber nur vom frühen Morgen bis in den späten Vormittag hinein. Im Rücken der Rosenberg. Darunter die Stadt im Nebel versunken. Zur Linken die Notkersegg. Gegen Süden die gleitenden Hügelzüge. Und aus diesen schroff herauswachsend wie eine Insel aus einem grünen Meer: der Alpstein. Kein Mensch. Nur dort ein alter Mann. Regungslos. Wer weiss seit wann? Auf einer Bank entspannt zurückgelehnt. In grösster Ruhe. Nur die Uhr an seinem Handgelenk zählt noch immer jede Sekunde. Das Wasser im Schritt. Den Kopf im Nacken. Die Augen und der Mund weit offen. Das Gesicht auf das Leuchten des Lichts in der Luft über den Bergen gerichtet. Ein für immer überglücklicher Mensch. Ganz Teil von allem.

 

Der Dösende

Weil die Kälte in der Szene unerträglich ist, wird in Fässern Holz verbrannt. Mit Rohypnol im Blut legt sich einer neben ein Fass und döst weg. Als es nach verbranntem Fleisch riecht, zieht ihn einer vom Fass weg. In der Notfallabteilung werden am Bein Verbrennungen 3. Grades diagnostiziert. Aus dem Spital entlassen geht er durch den am Bahnhof wartenden Intercity. Den Fahrgästen erzählt er, dass er endlichen einen Platz in einer therapeutischen  Wohngemeinschaft gefunden habe, und  erbettelt Geld für das Billett. Ohne Billett würde ihn der Kondukteur aus dem Zug weisen, wäre er nicht rechtzeitig in der Wohngemeinschaft  und hätte damit den für ihn reservierten Therapieplatz verloren. Einige sind grosszügig. Kurz bevor der Zug abfährt steigt er aus, geht in die Szene und kauft sich Heroin. Weil alle anderen Venen verhärtet sind, spritzt er es sich in den Penis.

 

Der Wächter

Am Anfang ist er ein Pfeil: auf möglichster kurzer Linie unterwegs von einem Zeitpunkt zu einem anderen. Dazwischen liegen 2 Stunden und minus 23 Grad. Weit oberhalb des allerhöchsten Dorfes der Alpen bewacht einer Mitten in der Nacht ein Munitionsdepot. Das Knarren seiner schweren Schuhe im Schnee, das fliessende Ein und Aus seines Atems und manchmal das vibrierende Summen seiner Stimme. Sonst kein Geräusch. Unten im Dorf ein paar wenige Lichter. Oben eine Unzahl glitzernder Sterne wie ferne Eiskristalle. Damit er nicht zu einem Zeiger wird, der sich mit quälender Langsamkeit immer träger im Kreis bewegt, verzichtet er auf eine Uhr. So verliert er sich mit der Zeit in der alles zum Erstarren bringenden Kälte, in der durch die Adern pulsierenden Wärme, in den im Dunkeln vereinzelt leuchtenden Lichtern, in einem betörenden Schluck Kirsch, im summenden Vibrieren, in rotierendem Sinnieren, im an den Barthaaren kristallisierenden Atem, in der entrückten Weite und Stille des ausgesternten Himmels.

 

Der Preisträger

Sonntagmorgen. Das Telefon klingelt. Er ignoriert klingelnde Telefone meistens. Aber sein gwundriges Töchterchen will wissen, wer anruft. Und vielleicht möchte ihm ja jemand zum Geburtstag gratulieren. Tatsächlich: Eine Frau Fuchs - ? - gratuliert ihm zum Geburtstag - ? - und: zum diesjährigen Heinz Weder Preis für Lyrik - ! - was für ein Geschenk! Die Preisverleihung findet ein paar Sonntage später statt: Bei seiner Lesung singt er eines seiner Kindergedichte, das eigentlich ein Schlaflied ist. Und sein Töchterchen auf den Knien der Mamatschka im Publikum, das mit diesem Lied an vielen Abenden in den Schlaf gesungen wurde, singt mit fast unhörbar feinem Stimmchen mit. Was für ein wunderbar inniger Moment! Und weil die Preisverleihung in einer ehemaligen Kirche stattfindet, gibt es eine Empore. Dort hat sich ein bei dieser Gelegenheit wiedergefundener Freund versteckt und - zum Glück ohne Rücksprache mit irgendwem - diesen Moment hier festgehalten.

 

Die Schicksalsgöttin

Um sich bei gesellschaftlichen Anlässen aller Art die Langeweile zu vertreiben, sucht sich eine jeweils zielstrebig zwei Personen aus: Eine, bei der sie sich gut und gerne vorstellen kann, mit ihr Sex zu haben. Und eine, bei der es für sie durchaus denkbar wäre, diese zu töten. Zumeist wird sie rasch fündig. Dann malt sie sich mit grösster Liebe zum Detail aus, wie sie den Sex und den Mord dieses Mal inszenieren würde. Den direkten Kontakt mit den beiden Zielpersonen vermeidet sie dabei tunlichst. Denn dieser erstickt erfahrungsgemäss sowohl das erotische als auch das mörderische Verlangen. Manchmal führt ein persönliches Gespräch allerdings auch dazu, dass der sexuellle oder der tödliche Drang tatsächlich ausgelebt werden will. Dem zu widerstehen, ist nicht einfach. Am schwierigsten ist es, wenn beide Impulse - was selten vorkommt, darum aber umso intensiver ist - von ein und derselben Person ausgehen. Aber meistens gelingt ihr auch dann ein Ende im Konjunktiv.

 

Der Störefried

Wer ihn kennt weiss von seinem Talent, sich schon wegen Belanglosem enorm zu echauffieren – ganz zu schweigen von ernsthaften Widrigkeiten. Jeder in der Firma kennt die Geschichte, wie er einmal mitten in einem fernmündlichen Streitgespräch das überhitzte Telefon aus dem Fenster seines Büros im fünften Stock wirft und dieses dann auf dem Dach eines Autos zerschellt, das auf einem für Kundschaft reservierten Parkplatz steht. Oder wie er ein anderes Mal ins Sitzungszimmer stürzt, mitten in ein äusserst diskretes Traktandum der Geschäftsleitung platzt und mit ausserordentlich voluminöser Stimme mitteilt, dass irgendwo irgendwelche Flugzeuge mit irgendwelchen Hochhäusern kollidieren. Man fordert ihn unmissverständlich auf, den Raum umgehend zu verlassen und sich medikamentös zu beruhigen. Dann wird die Sitzung fortgeführt, aber schliesslich – es ist der 11. September – doch noch vorzeitig abgebrochen.

 

Die Fremdenführerin

Die resolute Fremdenführerin im Kiewer Höhlenkloster. Vor dem Betreten der Uspenski-Kathedrale  stellt sie mit Nachdruck klar, dass nach jahrhundertealter, bis zum heutigen Tag unverbrüchlicher Regel keine, aber auch wirklich gar keine Person weiblichen Geschlechts befugt ist, diesen sakralen Raum zu betreten, wenn deren Haare nicht ganz und gar unter einem Tuch verborgen sind. Wer ohne derartige oder vergleichbare Kopfbedeckung ist, hat draussen zu warten. Das gilt auch für das Mädchen dort. Alle Personen weiblichen Geschlechts fügen sich diesem Gesetz. Mit grossem Bedauern müssen einzelne draussen bleiben. Auch das Mädchen. Ohne entsprechende Kopfbedeckung betritt die Kathedrale mit alles überragender Selbstverständlichkeit einzig die resolute Fremdenführerin.

 

Der Menschenfresser

Einer findet in seinen übermütigen Jahren an der Metzgergasse grad gegenüber der Macelleria d’Arte eine Bleibe. Die Vermieterin ist eine wunderbar gealterte Kaschubin, die von ihrem Leben erzählt, als wäre es das Leben einer anderen. Als er seinen Telefonanschluss anmeldet, soll er für den Eintrag im Telefonbuch seinen Beruf angeben. Da er von den multiplen Formen des Broterwerbens, die er praktiziert, keine ernsthaft als seinen Beruf bezeichnen möchte, schreibt er: A n t h r o p o p h a g e . Als ihm dann irgendwann ein Telefonbuch in die Hände kommt, steht hinter seinem Namen tatsächlich diese doch eher ungewöhnliche Berufsbezeichnung. Aber leider bekommt er nur ein einziges Mal einen Anruf von einer allerdings leicht verwirrten Frau, die seine angeblichen beruflichen Fertigkeiten mit endgültiger Hingabe nutzen möchte. 

 

Der Blamierte

Es klopft. Der Schulsekretär betritt das Klassenzimmer und fordert einen auf mitzukommen. Im Sekretariat warten zivile Fahnder und nehmen ihn auf den Posten mit. Es geht um Sprayereien auf dem überdimensionierten Schullogo: Der Erzengel Michael drangsaliert den Teufel und wird mit der Sprechblase Non cher monsieur le Recteur!  umgedeutete zum Rektor, der die Schüler drangsaliert. Wenn er gesteht, wird schulintern sanktioniert. Wenn nicht, wird Anzeige erstattet. Er gesteht. Vor der Disziplinkommission verlangt der Rektor den sofortigen Schulausschluss. Sein Klassenlehrer - zur Belohnung wird er später Bundesrat - ergreift für ihn Partei. Am Anschlagsbrett informiert dann der Rektor unter dem Titel Blâme, wer was gemacht hat und wie er bestraft wird: Übernahme der Reinigungskosten und drei Tage Sozialdienst. Der Sozialdienst macht Spass und der vor dem umgedeuteten Schullogo bei Lehrern und Schülern gesammelte Solidaritätsbeitrag übersteigt die Reinigungskosten um ein Mehrfaches. Genug Geld für eine opulente Fete.   

 

Der Witwer

Gefahrenstufe fünf. Wenigstens der Aufstieg zur Hütte war unbedenklich. Nun sitzt man beim Abendessen und rätselt, welche Touren morgen gewagt werden können. Da lässt eine wuchtige Druckwelle die Wände zittern und die Fenster klirren. Man schreit, springt auf. Stühle stürzen um. Dann der beruhigende Ruf "Das Haus brennt!". Ein Brand ist weniger bedrohlich, als eine Lawine. Durch die Fugen zwischen den Deckenbalken ist Feuer sichtbar. Der Hüttenwart kämpft sich im stark verrauchten Treppenhaus nach oben. Doch sein Versuch, die Flammen mit dem dünnen Strahl eines Küchenschlauchs zurückzudrängen, ist aussichtslos. Einer reisst ihn mit Gewalt zurück. Will ihm das Leben retten. Er aber wehrt sich verzweifelt. Will aus der Wohnung oben die Erinnerungen an seine Frau retten. Was für ein unsäglicher Kampf! Später ein Rettungshelikopter. Notoperation. Der Hüttenwart überlebt vernarbt. Die Erinnerungen sind verbrannt.

 

Der Konservierte

Bei 56 Grad nördlicher Breite und 38 Grad östlicher Länge, 141 Meter über Meer, 20 Jahre nach dem Gleichgewicht des Schreckens und mitten im kalten Frieden treffen sich Boris und Bob am submarinen Kongress, im Hotel Izmailovskaya in unmittelbarer Nähe der Metrostation Partizanskaya und verbrüdern sich bei einem Carlsberg. Am Abend dann im Hyatt: Geschlossene Gesellschaft. Herrlicher Blick auf den Kreml und die Kirche mit der Narrenkappe. Vor dieser gewaltigen Kulisse wird jedes Leiden an der Temperatur des Veuve Clicquot zum Kommentar unseres Korrespondenten. Im Lift dann die Paparazzi: Unten verhökern sie Antiquitäten. Was denn für Antiquitäten? Alles Mögliche. Zum Beispiel Lenin. Aber er wurde noch nicht gekauft. Lenin! Welcher Lenin? Der Konservierte aus dem Mausoleum? Ach – wir haben viele Leichname hier! Wassilij, Narr in Christo, bitt für uns!

 

Der Schlichter

Der heisseste Tag des Jahres! Kläger und Beklagter grüssen sich grusslos. Der Richter eröffnet die Verhandlung, stellt beidseitig Fragen, hört sich die Ausführungen der Anwälte an und konstatiert schliesslich, dass der hier zu beurteilendende Fall von beiden Seiten ebenso plausibel wie gegensätzlich dargestellt wird. Nun gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder wird das Urteil vertagt, Zeugen werden vorgeladen und - weil es für die wesentlichen Begebenheiten keine Zeugen gibt - zu den unwesentlichen Begebenheiten befragt. Und trotz grossem Aufwand wird sich so nicht klären, wer Recht hat. Oder sie einigen sich auf einen Vergleich, bei dem am Schluss beide, wenn nicht als Sieger so doch zumindest nicht als Verlierer dastehen. Die Parteien ziehen sich zurück. Der Gerichtsdiener bringt eine erste Version der Vereinbarung. Es wird noch symbolisch gefeilscht. Dann steht der Vergleich. Beim Hinausgehen geben sich der Beklagte und der Kläger die verschwitzte Hand. Zum ersten und letzten Mal. 

 

Der Prediger

Und es ward ihnen gegeben, dass man sie nicht tötete, sondern sie quälte fünf Monate lang. Und ihre Qual war wie die Qual des Skorpions, wenn er einen Menschen schlägt. Bellevue. Tramhaltestelle. Zwischen den beiden Geleisen wandelt einer hin und her, wendet sich abwechselnd an die Wartenden auf den beiden gegenüberliegenden Quais. Einige sind amüsiert, andere entsetzt, die meisten dem Anschein nach unberührt. So einer einen ungehorsamen Sohn hat, so sollen ihn steinigen alle Leute dieser Stadt, dass er sterbe. Wenn ein Tram einfährt weicht er voll Gottvertrauen erst im allerletzten Moment zur Seite. Einzelne versuchen, ihn weg von den Geleisen und zum Schweigen zu bringen. Vergeblich. Einem orthodoxen Juden droht er mit der Faust  und verflucht ihn als Christusmörder. Ein Passant schreit, Jesus sei selber Jude gewesen. Du irrst, Jesus ist Gottes Sohn, entgegnet der Prediger erhaben. Er, der Herr, dein Gott, wird diese Mörder ausrotten, einzeln nacheinander.

 

Die Erkenntliche

Eine meint, sich selbst in zumindest einer dieser hier gesammelten Konserven in aller Deutlichkeit erkennen zu müssen. Und das über sie Geschriebene sei in höchstem Masse kompromittierend. Konkret geht es um folgende Passage: Endlich schlingt ihm eine mit allergrösster Selbstverständlichkeit die Arme um den Hals, schmiegt innig Wange an Wange, reibt die Nase ganz fein an seiner, zeichnet mit der feuchten Spitze des Züngleins zärtlich die Linie seiner Lippen nach, steckt ihm dann endlich die Zunge in den Mund und fasst ihm schliesslich mit beglückender Hand in den Schritt. Falls auch Sie sich irgendwo in dem hier Geschriebenen bis zur Kenntlichkeit dargestellt finden, wenden Sie sich bitte an folgende Adresse: mail@rainerfrei.ch. Gerne zeigen auch wir uns erkenntlich und werden die entsprechende Passage selbstverständlich unverzüglich so belassen, wie sie ist.

 

Der Lacher

Seine akademische Laufbahn gipfelt in hörsaalfüllendem Gelächter. Als er sich dann kurz nach der Orangen Revolution in östlicher Himmelsrichtung verliebt, finden die höchsten Freudentage der orthodoxen und der sozialistischen Kirche am gleichen Tag statt. Mitten in der Nacht pilgern die noch von der Parade müden Gläubigen tapfer mit Kerzen und Körbchen voll Kuchen und Eiern zum Kiewer Kloster. Hinter verschlossenem Tor feiern die Mönche mit ihren Litaneien die Auferstehung Christi. Nach langem Warten dann vielhändiger Klingklang vom Glockenturm. Die aus der Kirche strömenden Mönche jubeln jedem Wartenden ein hörbar angeheitertes Christus ist auferstanden! zu. Diese quittieren es mit einem schlummerfrohen In Wahrheit ist er auferstanden! Und später zu dritt in Zwinglis Zürich beglückt der Liebfrauenpfarrer die Gläubigen über den traurigen Knochen von Felix und Regula alljährlich mit schallendem Osterlachen. 

 

Die Leuchtende

Da die Zweigstelle in der Romandie liegt, begrüsst er die neue Mitarbeiterin auf Französisch. Sie antwortet ihm in einem fröhlichen Berndeutsch mit leichtem Oberländer Einschlag. Als er ihr seine Hand reicht, hält sie die ihre graziös über das Herz und verbeugt sich vor ihm mit einem Lächeln. Sie arbeitet viel und gut. Bald ist sie eine der Besten. Einmal erreicht ihn eine Beschwerde: Jemand meint, sich darüber empören zu müssen, dass sie bei ihrer beruflichen Tätigkeit ein Kopftuch trägt und er als Arbeitgeber dies akzeptiert. Ihm gelingt eine vernichtende Antwort. Damit ist die Sache vom Tisch. Ein paar Jahre später bekommt sie ein attraktives Angebot, von einer internationalen Organisation. An ihrem letzten Arbeitstag reicht sie ihm zum Abschied mit leuchtenden Augen die Hand.

 

Der Berührte

Hebe deine Augen auf zu den Bergen, von welchen dir Hilfe kommt. Ein paar Stiftsschüler singen für einen Sterbenden. Regungslos liegt er in seiner Mönchszelle am Engelberg. Seit Monaten bettlägerig. Der Mund halb offen. Die Augen fast geschlossen. Die Haut wächsern. Bläulich durchschimmernde Adern. Der Speichel im Mundwinkel. Die Haare in der Nase. Ein paar Bartstoppeln. Die über die Wangen rinnenden Tränen. Ein Rosenkranz in den Händen. Ein Wasserglas auf dem Nachttisch. Die gestärkten Leintücher. Er wird deinen Fuss nicht gleiten lassen. Das Brennen der Kerze. Der sonderbare Geruch. Die Haut fast durchsichtig. Der dich behütet, schläft nicht. Der von ihm selber vor Jahren komponierte Choral. Und die über die Wangen rinnenden Tränen.

 

Der Verschluckte

Einer geht hinter dem anderen. Zwischen den beiden das Seil. Zu hören ist nur das Knirschen der Schritte und der eigene Atem. Der Morgenhimmel hellt allmählich auf. Die Schneebrücke, die den Vorderen noch getragen hat, bricht unter dem Hinteren ein. Er stürzt ins Bodenlose und dann hart ins Seil. Der Pickel schlittert ein paar lange Sekunden in die Tiefe. Sind das hundert Meter? Das Seil hat sich oben am Spaltenrand in die Eiskante eingeschnitten. Alle paar Augenblicke gibt es ein wenig nach. Er fällt wieder einen Sekundenbruchteil lang und hängt dann ein wenig tiefer. Und jedes Mal wird der Spalt ein wenig enger und das Stück Morgenhimmel darüber ein wenig schmaler. Zu hören ist nur der eigene Atem. Dann ruft der oben ein für den unten kaum mehr zu hörendes: Was soll ich tun?

 

Der Konservator

Einer macht das Verhaltene, das Haltlose, das Unhaltbare haltbar.

 

 

 

 

 

 
 
 
 
 
 
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